
»Meine Krebsdiagnose habe ich im Mai 2024 erhalten – ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Ich kam nach einem langen Nachtdienst nach Hause, wollte eigentlich nur kurz ins Bad – gedankenverloren und erschöpft. Wie so oft habe ich meine Brust selbst abgetastet und plötzlich spürte ich etwas Hartes.
Einen Knoten.
Ein Gefühl, das mir sofort einen Stich durch den ganzen Körper schickte. In diesem Moment wusste ich: Das fühlt sich anders an.
Noch am selben Tag bekam ich einen Termin bei meiner Frauenärztin – und ab da lief alles nur noch wie in einem Tunnel. Untersuchungen, Ultraschall, Mammografie, Biopsie. Zwei Wochen später dann die Diagnose: triple-negatives, malignes Mammakarzinom. Mit 29.
Mit 29 – einem Alter, in dem sich das Leben eigentlich leicht anfühlen sollte, voller Pläne und Zukunft. Ich hatte zwar keinen akuten Kinderwunsch, aber es war für mich immer klar: ›Irgendwann möchte ich Mutter werden.‹ Nur eben nicht jetzt – und ganz sicher nicht unter diesen Umständen.
Doch der Krebs stellt Fragen in den Raum, die man in diesem Alter nicht erwartet. Und er gibt einem das Gefühl, plötzlich nicht mehr selbst entscheiden zu dürfen.
Schon am Tag nach der Diagnose saß ich in der Kinderwunschklinik – ohne viel Aufklärung, ohne emotionalen Raum. Es war mehr ein: ›Wenn Sie irgendwann Kinder wollen, müssen Sie jetzt sofort handeln.‹
Sofort begannen die Vorbereitungen und zwei Wochen später wurden mir Eizellen entnommen. Ein Eingriff, der körperlich anstrengend, aber vor allem emotional schwer war.
Trotzdem war dieser Tag auch ein Moment tiefster Dankbarkeit: Ein Backup. Ein Stück Zukunft. Ein kleines ›Vielleicht nimmt der Krebs mir nicht alles.‹
Dass Krebs Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben kann, hat mich emotional völlig aus der Bahn geworfen. Es fühlte sich an, als würde der Krebs nicht nur meinen Körper angreifen, sondern auch meine Vorstellung von Zukunft.
Dass eine Krankheit mit 29 darüber entscheiden kann, ob man jemals schwanger werden kann – dieser Gedanke war fürchterlich, beängstigend und herzzerreißend.
Ich begann meine Therapie mit 16 Chemotherapien, begleitet von einer Immuntherapie. Bereits nach der ersten Port-Operation kam es im Verlauf zu einer schweren Entzündung, sodass der Port notfallmäßig entfernt und später ein neuer eingesetzt werden musste. Danach folgten die Operation an der Brust, bei der der Tumor entfernt wurde, sowie 15 Bestrahlungen mit Boost. Zusätzlich erhalte ich eine Tablettenchemo- und Immuntherapie, die meinen Körper weiterhin fordern.
All das hat Spuren hinterlassen – körperlich und seelisch. Polyneuropathien, eine offene Brust, Fatigue, Denk- und Konzentrationsstörungen, Momente der Schwäche, aber auch eine tiefe Dankbarkeit, dass ich noch hier bin.
Während der Therapie gab es viele prägende Momente:
Und immer wieder dieses Gefühl: ›Nichts an Krebs verläuft geradlinig.‹
Heute gehe ich viel bewusster mit dem Thema Kinderwunsch um. Sachlicher – ja. Aber auch hoffnungsvoller.
Ich freue mich auf die Zukunft, aber ohne feste Zeitpläne. Ich weiß, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Krebs macht demütig, besonders, wenn es um das eigene Leben, den Körper und die Weiblichkeit geht.
Ich sehe es heute nicht mehr als selbstverständlich an, eines Tages Mutter zu werden. Es ist ein Wunsch, aber ein zarter. Voller Hoffnung, aber frei von Druck.
Dies möchte ich anderen jungen Betroffenen mitgeben:
Es wird einen Zeitpunkt geben, an dem du wieder nach vorne schauen kannst.
Er darf kommen, wenn du bereit bist – nicht, wenn andere es erwarten.«

Sarah hat ihre Erfahrungen auch in Zusammenarbeit mit dem ZDF geteilt – unter anderem in Beiträgen bei „Volle Kanne“, 37° und im heute-Journal zum Thema Brustkrebs und Kinderwunsch.
• Artikel bei ZDF-heute: „Brustkrebs mit 29 – Wenn der Kinderwunsch zerbricht“