
»Ich bin Lena und 30 Jahre alt. Im Oktober letzten Jahres, kurz nach meinem Geburtstag, erhielt ich die Diagnose Lymphdrüsenkrebs.
Alles begann mit zunehmenden Schmerzen in Schulter und Arm. Als die Schmerzen unerträglich wurden, suchte ich einen Orthopäden auf. Man vermutete zunächst eine Muskelzerrung oder einen eingeklemmten Nerv. Ich begann mit Physiotherapie, doch die Beschwerden nahmen zu.
Da ich nebenberuflich Yoga unterrichte, belastete mich das besonders – selbst einfache Bewegungen waren sehr schmerzhaft und machten das Unterrichten fast unmöglich. Auch im Alltag, beim Arbeiten oder Autofahren war ich zunehmend auf Schmerzmittel angewiesen. Mein Schulter- und Brustbereich schwoll stark an und die Physiotherapie blieb ohne Erfolg.
Schließlich verwies mich mein Orthopäde zur Gynäkologin, da sich nun auch meine Brust verändert hatte.
Nach einer erfolglosen Behandlung mit Antibiotika folgte die Untersuchung im Brustzentrum. Dort konnte Brustkrebs ausgeschlossen werden, doch bei der Gewebeprobe ergab sich bald ein anderer Befund: ein anaplastisches Lymphom. Zwei Tage später sollte ich bereits zur weiteren Abklärung auf die Onkologie-Station kommen.
Ich bat meinen Partner damals, die Diagnose nicht zu googeln. Ich selbst hatte es getan und wollte erst einmal abwarten, was im Krankenhaus passiert. Ich wollte nicht glauben, dass es wirklich Krebs ist. Er tat es dennoch, und dieser Moment blieb der schwerste der gesamten Krankheitszeit, denn seinen Blick und die Angst dahinter werde ich nie vergessen.
Danach ging alles sehr schnell: der Besuch in der Kinderwunschklinik, Hormonspritzen, die Eizellentnahme – begleitet von immer stärker werdenden Schmerzen. Der Krebs wuchs aggressiv, mein Körper verlor zunehmend an Kraft und ich war immer mehr auf Hilfe angewiesen, auch bei alltäglichen Dingen.
Einen Tag nach der Eizellentnahme begann meine erste von insgesamt sechs Chemotherapien. Es war die bisher körperlich anstrengendste Erfahrung meines Lebens. Ich wusste nicht, wie ich weitere fünf Zyklen schaffen würde – doch die Therapie zeigte Wirkung. Die Schwellung und das tastbare Lymphom wurden kleiner.
Nach der dritten Chemo konnte sich mein Körper jedoch nicht mehr erholen, meine Blutwerte blieben schlecht und ich war auf Bluttransfusionen angewiesen. Intensivstation, Isolation, und immer neue Krankenhausaufenthalte folgten.
An Heiligabend durfte ich nach einer Chemotherapie nach Hause – es war das schönste Geschenk, Zeit mit meiner Familie verbringen zu können.
Kurz darauf erkrankte ich an einer schweren Erkältung, die mein geschwächter Körper kaum überstand. Da wurde für einen Moment alles still.
Heute bin ich dankbar, dass es anders gekommen ist. Am 19. März erhielt ich meine letzte Chemotherapie. Weitere Bluttransfusionen und Kontrollen haben meine Werte inzwischen stabilisiert.
Das letzte PET-CT hat es nun bestätigt: Die Chemo war erfolgreich und seit Mai 2026 bin ich nun in Remission.
Trotz all der Schwere habe ich in dieser Zeit viele wertvolle Momente erlebt. Ich durfte Menschen kennenlernen, die unglaubliche Stärke in sich tragen und leben wollen – und andere, die ihnen mit Mitgefühl zur Seite stehen und sie dabei unterstützen. Dafür und für die Unterstützung von Familie, Freunden und Pflegern bin ich unendlich dankbar.
Das Schwerste war für mich, das Leid der anderen zu sehen: ihre Diagnosen, ihre Prognosen, die Belastung für Angehörige. Mein Partner, der immer nach vorne geschaut hat und trotzdem für einen Moment nicht wusste, wie lange ich noch bei ihm und auf dieser Welt bin.
Auch die Erkenntnis, dass der eigene Körper nicht mehr so funktioniert wie früher, weil er all seine Kraft für anderes braucht, war und ist für mich herausfordernd, ebenso wie das Vermissen von Freunden und Familie durch die notwendige Isolation.
Trotzdem habe ich den Krebs nie als Feind betrachtet und diese Zeit nicht als Kampf gesehen. Ich habe sie angenommen – als Teil meines Weges, aus dem ich lernen und wachsen durfte.
Die Annahme der Situation, die Unterstützung von Familie und Freunden und das Yoga haben mich auf meinem Weg stark begleitet und sehr geholfen, den Krebs zu überstehen und viel Positives und Wertvolles daraus ziehen zu können.«
