Ajlo

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28

Heute erzählt Ajlo ihre Geschichte, die trotz ihrer jungen 28 Jahre, bereits zwei Krebsdiagnosen beinhaltet. Sie berichtet, was sie gefordert hat, aber auch worin sie Stärke fand und wie die Erkrankungen ihre Sicht auf das Leben verändert hat.

»Mit 21 erhielt ich meine erste Diagnose: papilläres Schilddrüsenkarzinom. Vor der Diagnose Schilddrüsenkrebs veränderte sich mein Körper spürbar. Ich nahm in kürzester Zeit stark zu, war ständig müde, gereizt und innerlich angespannt. Meine Augen fühlten sich an, als stünde ein permanenter Druck dahinter. Bei einer Schilddrüsendiagnostik bekam ich schließlich die Diagnose – ein Moment, der mein junges Leben abrupt veränderte. Die Therapie bestand aus der vollständigen Entfernung meiner Schilddrüse, zwei Radiojodtherapien und der lebenslangen Einnahme von Schilddrüsenhormonen. Ich war erst Anfang zwanzig und verstand oft nicht wirklich, was mit mir geschah. Ich funktionierte einfach. Besonders die Isolation während der Radiojodtherapie bleibt mir in Erinnerung – diese Stille, diese Einsamkeit. Während andere in meinem Alter die Leichtigkeit des Jungseins lebten, zog ich mich zurück aus der lauten Welt. Doch genau in dieser Zeit begann ich, mich selbst wirklich kennenzulernen. Rückblickend bin ich sogar dankbar für diese Erfahrung. Der Krebs hat mir meine oberflächliche Version genommen und mich gezwungen, authentischer, bewusster und stärker zu werden.


Mit 27 folgte die zweite: hormonrezeptorpositiver Brustkrebs. Vor meiner Brustkrebsdiagnose lebte ich über zehn Jahre mit einem Knoten in der Brust. Er wurde regelmäßig kontrolliert, man sagte mir immer wieder, es sei ›nur‹ ein Fibroadenom. Doch es veränderte sich bösartig. Durch Zufall – bei einem MRT-Termin wegen einer anderen Behandlung – riet mir ein Radiologe eindringlich, das Fibroadenom operativ entfernen zu lassen. Diese Empfehlung rettete mir vermutlich das Leben. Die Therapie beim Brustkrebs bestand aus der operativen Entfernung des Tumors, 20 Bestrahlungen und einer fünfjährigen antihormonellen Therapie mit Tamoxifen und Zoladex. Ich war gerade erst krebsfrei gewesen – und ein Jahr später stand ich erneut vor einer Krebsdiagnose.

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Es fühlte sich surreal an. Lange befand ich mich in einem Schockzustand. Doch dieses Mal ging ich bewusster durch die Erkrankung. Ich wollte nicht mehr nur funktionieren – ich wollte fühlen. Ich wollte all das anwenden, was ich in den Jahren zuvor über mich gelernt hatte. Ich begann zu schreiben, hielt meine Gedanken fest und nahm Videos für mein Zukunfts-Ich auf – als Erinnerung daran, dass auch diese Zeit vorübergehen wird.
Ich bin unendlich stolz, dass ich diese Krankheit ein zweites Mal überwunden habe.

Gleichzeitig bin ich ehrlich: Die antihormonelle Therapie erschöpft mich sehr. Die künstlich ausgelösten Wechseljahres-Symptome fordern meinen jungen Körper Tag für Tag heraus. Heute gehe ich offen mit meiner Krankheitsgeschichte und meinem Heilungsweg um. Ich habe gelernt, dass Schweigen und Rückzug gefährlich für die Seele sein können. Ich besuchte Selbsthilfegruppen für junge Menschen mit Krebs, begann eine Psychotherapie und fand Austausch, Verständnis und Halt.


Mit meiner Instagram-Seite ›Lotus im Sturm‹ teile ich meine Gedanken und Gefühle öffentlich – und habe dadurch eine unglaublich wertvolle Community gefunden.
Heute kann ich sagen: Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen. Es ist Stärke. Alles auszusprechen, was im Kopf kreist, entlastet. Und die Natur erinnert mich immer wieder daran, wie viel Kraft in der Langsamkeit liegt.
Ich lebe bewusster, achtsamer – und echter als je zuvor.«

Ajlo trägt ihre Haare nach hinten gesteckt und lächelt in die Kamera.
Name
Ajlo
Instagram
@lotusimsturm
Website
Interviewt von
Erzählt am
26.5.2026
Verstorben am

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