
»Ich bin Ricarda, 39 Jahre alt, verheiratet und Mama eines 8-jährigen Sohnes. Im Dezember 2023 wurde bei meinem damals 39-jährigen Mann ein solitär fibröser Tumor Grad 3 im Frontalhirn diagnostiziert. Vorausgegangen waren mehrere Monate mit unerklärlichen Wesensveränderungen wie zum Beispiel völlige Antriebslosigkeit, Impulsivität und Empathielosigkeit. Im Februar 2024 konnte mein Mann sechs Wochen nach der großen Gehirnoperation, davon 3 Wochen auf der Intensivstation und nach Anlage eines VP-Shunts, aus dem Krankenhaus entlassen werden. Es folgte eine sechswöchige Protonentherapie, die mein Mann gut vertragen hat. Haarausfall, Hautrötungen und Müdigkeit waren seine Nebenwirkungen. Im Anschluss hat uns ein gemeinsamer Familienurlaub ein wenig Erholung geschenkt. Die akute Phase hat mich als Angehörige sehr viel Kraft gekostet. Man funktioniert irgendwie. Vor allem für unseren Sohn wollte ich eine wichtige Stütze sein und habe ihn, so gut es ging, begleitet.
Im November 2024 dann der Schock: Beim ersten Kontroll-CT wurden Metastasen im Becken, der Wirbelsäule sowie im Oberschenkelmuskel entdeckt. Mein Mann wurde daraufhin an ein Sarkomzentrum überwiesen, da es sich bei seinem Tumor sowie den Metastasen um ein Sarkom handelt. Es wurde eine medikamentöse Chemotherapie eingeleitet. Im Verlauf hat diese Therapie nicht wie erhofft angeschlagen. Uns wurde mitgeteilt, dass nur noch palliativ behandelt werden kann.
Die Metastase im Oberschenkel wurde daher im Dezember 2025 zusätzlich bestrahlt, um die damit einhergehenden Schmerzen zu lindern. Eine große Metastase in der Lendenwirbelsäule wurde im März 2026 operativ entfernt und anschließend bestrahlt.
Die Radioligandentherapie wurde als recht neues Verfahren Ende April 2026 erstmalig durchgeführt. Hierbei wurde meinem Mann eine radioaktive Substanz gespritzt, die auf eine ganzheitliche Bestrahlung aller betroffenen Regionen abzielt. Der zweite Behandlungszyklus konnte Stand jetzt noch nicht erfolgen, da mein Mann als Nebenwirkung der Therapie eine Thrombozytopenie entwickelt hat.
Es sind nun fast drei Jahre vergangen, in denen uns die Erkrankung meines Mannes begleitet. Das macht sehr viel mit mir. Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich mal war. Heute weiß ich, wie wertvoll und kostbar jeder einzelne Tag sein kann. Manchmal bin ich traurig und wütend darüber, was der Krebs uns angetan hat. Aber ich bin auch stolz auf mich und das, was ich als Angehörige und Mama leiste. Ich habe seit der Diagnose die kleinen Dinge im Leben zu schätzen gelernt: einen schönen Sonnenaufgang, Vogelgezwitscher oder eine liebevolle Umarmung.
Und ich übe mich nun vor allem darin, Hilfe anzunehmen und zuzulassen. Ich bin dankbar für ein tolles Netzwerk, aus lieben Menschen um uns herum.«
