
»Ich arbeite als Altenpflegehelferin im Altenheim und hatte Wochenenddienst am Sonntag. Während der Schicht verspürte ich auf der linken Seite ein Ziehen, Schmerzen, die nicht mehr verschwanden. Ich hatte direkt das Gefühl, dass ich Eierstockkrebs habe.
Am Dienstag ging ich zur Vertretung meines Hausarztes, da dieser Urlaub hatte. Sie drückte ein bisschen auf meinem Bauch herum und meinte, das wäre eine Entzündung der Ausstülpungen der Darmschleimhaut, und gab mir zwei verschiedene Antibiotika mit. Freitags dachte ich mir: ›Es gibt keine Besserung trotz Antibiotika‹. Abends um 22 Uhr sagte ich zu meinem Mann, dass wir am nächsten Tag ins Krankenhaus gehen sollten, denn da stimmt etwas nicht. Wir gingen dann noch am Freitagabend in die Notaufnahme. Dort wurden Ultraschall und ein CT gemacht, woraufhin der Arzt zurückhaltend zu mir sagte: ›Da ist etwas, das da nicht hingehört.‹ Ich musste direkt da bleiben. Da hatte ich gleich das Gefühl, dass ich Eierstockkrebs habe.
Es folgten Magen- und Darmspiegelung und zwei Wochen später eine Bauchspiegelung. Außerdem wurden die Tumormarker gemessen. Diese waren stark erhöht. Nach der Bauchspiegelung sagte mir die Ärztin, ich hätte im Bauchfell überall Metastasen. Dies wurde dann vom Tumorboard bestätigt: Eierstockkrebs im Stadium FIGO III. Noch in Schockstarre und Unglauben folgte am nächsten Tag sofort der Termin bei meinem Onkologen mit Besprechung der Therapie. Mitte Oktober bekam ich die erste Chemotherapie. Die war sehr schlimm.
Meine Mutter hatte 2006 Gebärmutter- und Eierstockkrebs, deswegen wurde eine genetische Testung vorgenommen, mit dem Ergebnis: Mutation im BRCA1-Gen.
Bis heute tue ich mir sehr schwer, die Diagnose Krebs zu haben, obwohl es meiner Mutter fast 20 Jahre später gut geht!
Ich habe die Chemotherapie und die OP soweit gut überstanden, doch die Angst ist größer als zuvor. Bei meinem Onkologen fühle ich mich gut aufgehoben, er hat auch damals meine Mutter betreut. Das gibt mir Zuversicht, dass alles gut wird. Doch die psychische Belastung, so eine Krankheit zu haben, ist für mich wahnsinnig schwer.
Ende Mai 2026 starte ich mit der dreijährigen Erhaltungstherapie. Ich bin noch über viele Jahre in einer Studie drin, das beruhigt ein wenig. Zudem gehe ich zur Psychotherapie und in eine Selbsthilfegruppe. Die Diagnose Krebs verändert einen Menschen, auch die Personen um einen herum, den Freundeskreis.
