
»Man denkt immer: Mich trifft das eh nicht. Vor allem, wenn man immer kerngesund war. Letztes Jahr im Juni 2025 war ich mitten in der Vorbereitung für den Hyrox-Fitness-Wettkampf, denn im November 2025 stand meine zweite Teilnahme an. Am 2. Juni 2025 bin ich wie geplant laufen gegangen und als ich zurück nach Hause kam, spürte ich plötzlich stechende Schmerzen am Brustbein.
Das kam völlig aus dem Nichts, und ich machte mir erst einmal keine allzu großen Sorgen. Es war zwar etwas komplett Neues, aber ich war ja gesund. Dachte ich. Am nächsten Tag ging ich zum Hausarzt, um sicherzugehen, und mir wurde gesagt, es könnte sich vielleicht um eine Muskelzerrung oder Prellung handeln, obwohl ich keinen Unfall hatte. Ich sollte einfach Schmerzmittel nehmen und mir keine Gedanken machen.
Nachdem mich aber mein Mann umarmt hatte und ich vor Schmerzen schreien musste, bin ich zum Orthopäden gegangen. Der machte mir einen Ultraschall und war sich nicht sicher, was genau los ist. Er schickte mich zum MRT. Im MRT kam heraus, dass das Brustbein von innen regelrecht zerbröselt war. Es war völlig unklar, wie so etwas einfach so aus dem Nichts passieren konnte.
Nach weiteren Untersuchungen wie Szintigrafie, Ganzkörper-MRT und einer ergebnislosen Biopsie, wurde mir am 13. August 2025 ein Teil des Brustbeins und die Ansätze der Rippen vier bis sieben entfernt. Ich musste fünf lange Wochen warten, bis die erste pathologische Untersuchung vorlag, die ebenfalls ergebnislos blieb.
Dann, am 2. September 2025, vier Tage vor meinem Geburtstag, kam die Diagnose: diffus großzelliges B-Zell-Lymphom im Stadium IV. Ein Non-Hodgkin-Lymphom, das ins Knochenmark gewandert war und das Brustbein angegriffen und zerstört hatte.
Für die darauffolgende Woche waren ein PET-CT und das Gespräch mit dem Onkologen geplant.
Alles ging sehr schnell, und ich hatte das Gefühl, als würde ich das Leben von jemand anderem leben. Wie? Ich? Krebs? Nein, das kann nicht sein. Kein Anzeichen, keine Symptome. Nichts.
Noch schlimmer: Unsere Hochzeit war für den 25. September 2025 geplant, die Flitterwochen für Dezember. Ich muss nicht sagen, dass die Flitterwochen storniert werden mussten. Zum Glück konnte ich die erste Chemo um eine Woche verschieben damit ich noch heiraten konnte.
Am 29. September 2025 bekam ich die erste Chemo, und ich habe mir dazu noch Corona eingefangen. Das war den schlimmsten Zyklus von allen. Glücklicherweise habe ich die folgenden fünf wie geplant durchgezogen und war somit am 12. Januar 2026 fertig. Seit dem 12. Februar 2026 bin ich in Remission und kämpfe mich ins Leben danach zurück.
Ich bin sehr glücklich, dass mein Mann mich durch das Ganze getragen hat und immer an meiner Seite war. Denn ganz ehrlich: Nicht jeder ist bereit, eine Frau zu heiraten, die kurz vor einer Chemo steht. Das mag vielleicht hart klingeln, aber manchmal muss man ehrlich mit sich selbst sein.
Ich bin sehr dankbar, dass ich wieder gesund bin, dass ich mit dem Sport wieder anfangen darf. Und wisst ihr was noch verrückter ist? Während der Chemo habe ich mich für einen Marathon angemeldet und jetzt darf ich mich darauf vorbereiten. Ob ich das am Ende schaffe, steht noch offen, sehr offen. Ich habe gelernt, dass man alles versuchen sollte. Man lebt nur das eine Mal.«
