
»Ich bin Isa, 48 Jahre alt. Meine Geschichte begann im April 2020, als ich plötzlich mit einem epileptischen Anfall zu Hause umgefallen bin und Stunden später im Krankenhaus wieder zu mir kam, ohne zu wissen, was passiert war. Dies geschah mitten in der Coronazeit und somit war ich völlig auf mich allein gestellt, kein Besuch, kein Kontakt! Im Krankenhaus wurde ein Gehirntumor diagnostiziert, welcher aufgrund der Größe sofort entfernt werden musste. Zudem fand man noch zwei sehr kleine Lungenrundherde.
Priorität hatte der Gehirntumor und die OP verlief komplikationslos. Die Schwierigkeiten, mich danach wieder zurechtzufinden, waren und sind bis heute groß. Die Epilepsie ist leider geblieben. Bis heute nehme ich Antiepileptika, damit ich anfallsfrei bin. Was geblieben ist, sind die Auren, die Reizüberflutungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen sowie Konzentrationsstörungen. Ich kann mich nicht mehr in Gruppen aufhalten und nicht mehr einkaufen gehen und gehe aufgrund von Narbenschmerzen wöchentlich zur Physiotherapie. Mein Leben ist dadurch sehr eingeschränkt. Diesbezüglich befinde ich mich in ständiger MRT- und Neurologiekontrolle.
Die kleinen Lungenrundherde wurden 24 Monate via CT überwacht und da sie größenkonstant blieben, einigte man sich, dass sie nicht weiter überwacht werden müssen. Man ging davon aus, dass es sich um Vernarbungen durch eine Lungenentzündung handelte. Das letzte CT wurde Anfang 2023 gemacht und war unauffällig.
Im Sommer letzten Jahres wollte ich dennoch noch einmal ein CT. Es sollte der Abschluss werden. Nach fünf Jahren wollte ich das Kapitel endlich abschließen. Was eine Routineuntersuchung sein sollte, wurde zum Kampf meines Lebens.
Leider stellte sich bei dem CT heraus, dass einer der Rundherde gewachsen war. Somit wurde sofort ein PET-CT angeordnet, welches auffällig war. Die Luft wurde für mich immer dünner und die Chance, dass es gutartig war, immer geringer. Ich lebte in Todesangst. Zwischen dem letzten CT und der notwendigen Operation lagen vier Wochen voller Angst, Hoffnung und Ungewissheit. Im Oktober fand die Lungen-OP statt. Man hat mir ein Segment entnommen und eine weitere auffällige Stelle. Die Schmerzen nach der OP waren unerträglich. Ich war nie schmerzfrei, obwohl ich acht Wochen Opiate nehmen musste.
Der pathologische Befund ergab ein Adenokarzinom 2a, einen bösartigen Tumor, der aus Drüsengewebe oder zylinderförmigem Epithel (Grenz- oder Deckgewebe) entsteht.
Die Diagnose war ein Schock, obwohl ich es irgendwie gespürt habe. Ich hatte Glück, der Tumor samt dem Segment konnte erfolgreich entfernt werden und es gab keine Metastasen. Mein Onkologe sagte mir, wenn noch etwas wiederkäme, würde man sofort mit einer Immuntherapie starten. Darauf würde dieser Tumor sehr gut ansprechen, wie die genetische Untersuchung ergab. Auch folgten weitere Termine bei der Physiotherapie aufgrund von Narben- und Rippenschmerzen. Ich muss alle drei Monate zum CT und zum Onkologen.
Meine Unbeschwertheit ist weg. Es gibt keinen Tag mehr, an dem ich nicht daran denke. Ich hoffe, dass es mit der Zeit besser wird.
Diagnose Krebs. Tumor raus. ›Krebsfrei‹. Ein Wort, das wie ein Sieg klingen sollte, sich aber oft noch wie eine Trümmerlandschaft anfühlt. Warum fühlt sich dieser Sieg manchmal so schwer an?
Krebs ist kein Sprint, der mit der Therapie endet. Es ist ein Marathon, der im Kopf weitergeht. Die ständige Nachsorge und die Angst wird jetzt mein Taktgeber sein.
Meine Seele braucht Zeit, um hinterherzukommen – und ich gebe sie ihr.
Ich stehe vielleicht gerade gefühlt auf der Stelle, während die Welt rast, aber ich stehe fest. Ich bin noch hier. Und das ist der wichtigste Teil der Geschichte.«
