
»Als im Juni 2025 meine Brustwarze anfing zu bluten, machte ich mir zunächst keine großen Sorgen. Ein Knubbel konnte in meiner Brust nicht ertastet werden und meine Gynäkologin vermutete eine Entzündung der Milchgänge. Da der Abstrich des blutigen Sekrets aus meiner Brust jedoch auffällig war, wurde ich in ein Brustzentrum überwiesen. Und nachdem dort eine Stanzbiopsie durchgeführt wurde, bekam ich dann eine Woche später die Schockdiagnose DCIS (eine Brustkrebsvorstufe). Danach ging es dann Schlag auf Schlag weiter. Zuerst war die Annahme, dass brusterhaltend operiert werden kann. Nach Mammographie und MRT stand dann jedoch schnell fest, dass das DCIS mehr als zwei Drittel meiner Brust befallen hatte und folglich eine hautsparende Mastektomie inklusive Brustwarzenresektion durchgeführt werden musste. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt, dass es nun eigentlich nicht noch schlimmer werden könnte. Nachdem ich mir viele Beispielbilder von Rekonstruktionen angeschaut habe, verschwand meine Angst vor der Mastektomie mehr und mehr. Ich hatte mich wirklich gut mit der Situation abgefunden.
Am OP-Tag erwartete mich dann allerdings der nächste Schock. Im OP wurde ein Karzinom gefunden und es wurde festgestellt, dass zehn Lymphknoten bereits metastasiert waren. Diese wurden in der gleichen Operation direkt mit entfernt. In dem Moment saß der Schock tief. Ich hatte aber nicht viel Zeit, alles zu verarbeiten. Nachdem das Staging keine Fernmetastasen aufwies, stand der Therapieplan schnell fest. Chemo, Bestrahlung, Antihormontherapie und alles was sonst so dazu gehört.
Am Anfang wirkte das alles wie ein riesiges schwarzes Loch, vor dem ich wahnsinnige Angst hatte. Doch ich merkte mit jedem weiteren Schritt in der Therapie, dass ein Ende in Sicht ist und das ich es schaffen kann, dieses zu erreichen.
Insbesondere während der Chemotherapie waren mein Mann, meine Eltern und mein Hund meine größte Stütze. Sie haben mir immer zugehört und waren für mich stark, wenn ich es nicht konnte. Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass alle Gefühle, die da sind, ihre Berechtigung haben. Man darf auch schwach sein, aufgeben wollen oder den Mut verlieren. Mein Umfeld hat mir in den Momenten besonders viel Halt gegeben.
Nach Ende der Chemotherapie überkam mich dann jedoch noch einmal eine stärkere Depression mit Angstzuständen. Vorher war mir nicht bewusst, dass die Seele häufig erst dann anfängt zu verarbeiten, wenn der Körper langsam heilt. In dieser Zeit habe ich psychoonkologische Unterstützung bekommen. Sie hilft Patientinnen, das Erlebte besser zu verarbeiten. Aber noch viel wichtiger – wie ich finde – ist die gemeinsame Arbeit an Themen, die die Zukunft betreffen. Wir alle haben vor jeder Nachsorge unglaublich viel Angst. Und der Umgang mit dieser lähmenden Angst ist besonders wichtig. Denn sie verschwindet nicht einfach, sie ist ein natürlicher Schutzmechanismus. Es geht nicht darum, die Angst verschwinden zu lassen. Es geht darum, Frieden mit ihr zu schließen. Sie darf ihren Platz haben. Aber sie darf uns nicht komplett einnehmen.
Ich habe in dem letzten halben Jahr gelernt, dass es so viele Dinge rund um meinen Krebs gibt, die ich nicht ändern kann. Seither begleitet mich der Leitsatz ›Peace is a choice I make, and I make it every day‹. Ich möchte Frieden mit dem schließen, was ich nicht beeinflussen kann. Und diese Entscheidung treffe ich jeden Tag aufs Neue. Denn es ist kein einmaliger Moment. Es ist ein Prozess. Ein Prozess, in dem wir uns Tag für Tag aufs Neue entscheiden zu leben, die Welt zu genießen und viele Dinge aus einer ganz neuen wunderbaren Perspektive zu sehen.«
