
»Ich bin Ricarda und war bei meiner Diagnose 29 Jahre alt. Meine Mama hat ein Glioblastom überlebt und ihre Lebenserwartung nun um gute 13 Jahre überschritten. Daher war der Krebs in unserer Familie leider schon lange ein Thema, allerdings nie Brustkrebs. Ich bin immer regelmäßig zur Vorsorge gegangen, insbesondere als die Knoten aufgetreten sind. Mein Gynäkologe hat mich jedes Mal wieder heimgeschickt mit den Worten, das wäre alles normal, unebenes Brustgewebe. Ich wäre zu jung für etwas anderes. Auch eine Mammografie oder weitere Diagnostik verweigerte er. Daraufhin bin ich nach geraumer Zeit, als ich wirklich auch Schmerzen entwickelt hatte, zu einer privaten Ärztin gegangen. Sie hat sofort den Ernst der Lage erkannt.
Eine 9 cm große Tumorplatte (eine flächige, ausgedehnte Ausbreitung von Krebsgewebe), multiple Lymphknoten befallen und eine BRCA-2-Mutation haben mein Leben von heute auf morgen auf den Kopf gestellt. Es folgten 16 Chemotherapien, eine beidseitige Mastektomie und 25 Bestrahlungen, dazu Zoladex, Letrozol und Abemaciclib als fortlaufende Behandlung.
Ich hatte eine PCR (pathologische Komplettremission) erreicht, allmählich wieder Kraft gefunden und mein Leben mehr geschätzt als je zuvor. Der Krebs hat mir so vieles genommen, aber auch etwas Wertvolles gegeben, nämlich Dankbarkeit für jeden einzelnen Tag.
Leider traten im Dezember 2025 schwere neurologische Probleme auf. Wieder einmal musste ich von Arzt zu Arzt rennen, wurde nicht ernst genommen, nach Hause geschickt mit der Aussage ›Sie sind doch eine Frau über 30, das ist nur Migräne‹. Trotzdem wusste ich, dass etwas nicht stimmte und habe für ein MRT gekämpft. Mein Gefühl hat sich leider bestätigt – ich habe eine Hirnmetastase. Ein zweites Mal fühlt es sich an, wie ein ungebremster freier Fall.
Diese Krankheit ist so unfair… Aber ich gebe nicht auf, denn ich liebe mein Leben so sehr. Deshalb wird weiter durchgezogen. Ich möchte allen sagen, dass ihr euch für euch selbst einsetzen und auf euer Bauchgefühl hören müsst. Und euch verdammt nochmal über nichts ärgert, denn das Leben ist viel zu kurz dafür.
Genießt jeden Tag, jede Minute. Das Wichtigste sind die Gesundheit und die Familie und gute Freunde. Ich habe mir fest vorgenommen, trotz allem meine Dankbarkeit beizubehalten und das Gute in allem zu sehen und mich für nichts und niemanden mehr zu verbiegen.«
