
»Ich bin Lena, 30 Jahre alt – und in meiner 20. Schwangerschaftswoche bekam ich die Diagnose Non-Hodgkin-Lymphom.
Schon seit Beginn der Schwangerschaft ging es mir richtig schlecht. Neben den typischen Symptomen wie Müdigkeit, Kreislaufproblemen und Übelkeit kamen Appetitlosigkeit, Sehstörungen, Rückenschmerzen, Kurzatmigkeit und schließlich sogar Bluthusten dazu. Es folgte ein richtiger Ärztemarathon – immer wieder hörte ich den Satz: ›Schwangerschaft ist keine Krankheit.‹ Dieser Satz hat mich so sehr an mir selbst zweifeln lassen. ›Bilde ich mir das alles nur ein?‹
Irgendwann stellte sich heraus, dass ich eine schwere Lungenentzündung hatte. Doch als es trotz Behandlung nicht besser wurde, folgten ein CT und schließlich eine Biopsie. Dann kam die Diagnose, die alles veränderte: Non-Hodgkin-Lymphom. Aggressiv. Schnell wachsend. Ich brauchte sofort eine Therapie. In diesem Moment brach meine Welt zusammen. Ich hatte unglaubliche Angst. Angst um mich – und vor allem um mein Baby. ›Kann ich es behalten? Wird es überleben?‹
Die Ärzte erklärten uns, dass eine Chemotherapie auch in der Schwangerschaft möglich ist. Also begann ich die Behandlung: sechs Chemozyklen und mehrere Antikörpertherapien. Ich fühlte mich so hilflos und hatte unbeschreibliche Angst, was das alles mit meinem ungeborenen Kind machen würde. Es flossen viele Tränen. Während der Chemotherapie hatte ich eine extreme Appetitlosigkeit – Essen fiel mir unendlich schwer. Aber für mein Kind habe ich mich jeden Tag dazu gezwungen, weil ich wusste, dass es das Richtige ist.
Als mir schließlich die Haare ausfielen, war das schlimm – aber im Vergleich zu der ständigen Angst um mein Kind war es das kleinste Übel. Besonders schwer war für mich auch, dass ich mit der Diagnose mein größtes Hobby aufgeben musste: die Pferde. Sie waren immer ein wichtiger Teil meines Lebens, mein Ausgleich, meine Freiheit – und plötzlich war auch das nicht mehr möglich.
Was mich durch diese Zeit getragen hat, war meine Familie. Sie war mein größter Halt, mein Rückhalt, mein Anker. Und auch mein Freund war jederzeit an meiner Seite – immer da, immer stark für mich, auch wenn ich selbst keine Kraft mehr hatte. Ohne diesen Beistand hätte ich es nicht geschafft, durchzuhalten.
Und dann – am 6. September – kam unsere Tochter gesund und munter zur Welt. Trotz aller Therapien kann ich sie heute sogar voll stillen – etwas, das für mich wie ein kleines Wunder ist. Nach weiteren Behandlungen und Abschlussuntersuchungen bekam ich schließlich die Nachricht, auf die ich so sehr gehofft hatte: ›Ich bin in Remission.‹
Heute genießen wir unser Leben als kleine Familie – dankbar für jeden einzelnen Tag. Manchmal kann das Leben so zerbrechlich sein – und gerade deshalb so wunderschön.«
