
»Der 30. Juni 2023 ist ein Datum, das ich nie vergessen werde.An diesem Morgen entdeckte ich beim Zähneputzen eine kleine Beule an meinem Hals. Ein geschwollener Lymphknoten. Am Tag davor war er noch nicht da. Er tat nicht weh, sah harmlos aus – und trotzdem fühlte es sich nicht richtig an. Meine Mama schaute genauer hin, und wir fuhren noch am selben Tag zum Arzt. Von da an ging alles sehr schnell: Hausarzt, Überweisung, Kinderklinik. Untersuchungen, Blutabnahmen, Ultraschall. An den Blicken der Ärzte merkte ich, dass es ernster war, als ich dachte. Am Nachmittag setzte sich ein Arzt zu uns und sagte ruhig, aber direkt, dass es Hinweise auf Krebs gibt. Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs. Ich war 14 Jahre alt. Ich verstand die Worte, aber nicht, was sie wirklich bedeuteten. Nach weiteren Untersuchungen und einer Biopsie stand die Diagnose fest: Lymphdrüsenkrebs, Stadium 4.
Der Krebs war nicht plötzlich da. Er hatte sich über längere Zeit unbemerkt in meinem Körper entwickelt, während ich weiter zur Schule ging, Fußball spielte und dachte, alles sei normal. Auf der Kinderkrebsstation folgten viele Gespräche. Eines davon werde ich nie vergessen. Ein Arzt sagte mir, dass ich mich von meinen langen Haaren trennen müsse. Dass sie durch die Chemotherapie ausfallen würden. Das war ein Schock. In diesem Moment wurde mir klar, dass die Krankheit jetzt sichtbar wird – für mich und für alle anderen.
Es folgten sechs Chemotherapie-Zyklen. Sie bestimmten mein Leben über Monate hinweg. Krankenhaus statt Klassenzimmer, Erschöpfung statt Alltag. Körperlich und mental war diese Zeit extrem fordernd. Ende November 2023 war die Chemotherapie abgeschlossen. Die Behandlung hatte viel bewirkt, aber der Krebs war noch nicht vollständig verschwunden. Es zeigten sich noch Restbefunde. Um wirklich sicherzugehen, entschieden sich die Ärzte für einen weiteren Schritt. Im Januar 2024 begann deshalb die Protonenbestrahlung in Dresden. Wieder neue Termine, neue Wege, neue Anspannung. Die Protonenbestrahlung schlug sehr gut an. Und irgendwann kam die Nachricht, auf die wir so lange gehofft hatten: Ich war krebsfrei.
Viele denken, dass danach alles wieder normal ist. Für mich begann dann ein neuer Abschnitt. Seit April 2024 kämpfe ich mit einer Tumor-Fatigue. Einer tiefen, anhaltenden Erschöpfung, die man von außen nicht sieht. Ich wirke gesund, aber mein Körper fühlt sich oft leer und kraftlos an.
Was mir während der gesamten Behandlung geholfen hat, war der Sport. Fußball war immer in meinem Kopf und so oft es ging auch in meinem Alltag. Im Krankenhaus habe ich mich bewegt, trainiert, kleine Übungen gemacht. Nicht, um Leistung zu bringen, sondern um mich selbst nicht zu verlieren. Sport gab mir Struktur, Hoffnung und das Gefühl, mehr zu sein als nur ein Patient.
Irgendwann begann ich, all das aufzuschreiben. Die Diagnose. Die Angst. Die Veränderungen. Aber auch die kleinen Siege. Daraus entstand mein Buch. Ein Mutmachbuch für andere für junge Menschen, für Familien, für alle, die gerade mitten in ihrer eigenen Geschichte stecken und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Dieses Buch heißt: ›Ich atme, ich lebe, ich bin Leon‹. Es ist überall erhältlich.Zum Schluss möchte ich einen Gedanken teilen, der mich durch diese Zeit getragen hat: Es ist okay, Angst zu haben. Es ist okay, zu weinen.Aber es ist nicht okay, aufzugeben, bevor der Kampf überhaupt begonnen hat.Ich erzähle meine Geschichte, damit andere spüren: Du bist nicht allein. Und es lohnt sich, weiterzugehen Schritt für Schritt. Für weitere Infos schaut gerne auf meiner Homepage vorbei unter www.leonriedel.de oder auf meinem Instagram Account @leon09_official.«
