
»Mit 20 Jahren und einen Tag nach Weihnachten, am 25. Dezember 2023, habe ich meine Krebsdiagnose bekommen. Adenokarzinom, ein AEG-Tumor –Speiseröhrenkrebs, Stadium Drei.
Bis dahin war mein Leben perfekt. Ich studierte, war sportlich auf meinem persönlichen Höhepunkt und einfach glücklich. Ich war frisch verliebt, gerade mal zwei Monate mit meinem Freund zusammen. Alles fühlte sich leicht an. Ich hatte Pläne und ich stand mitten im Leben.
Dann kam dieser Tag.
Am 25. Dezember erbrach ich plötzlich fast einen Liter Blut. Ohne Vorwarnung. Ohne jedes Anzeichen davor. Niemand wusste was los war. Ich kam mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Es folgten Untersuchungen – Magenspiegelung, CT, MRT, Blutabnahmen. Es war ein absoluter Alptraum. Und irgendwann dann die Diagnose: Speiseröhrenkrebs.
Meine Weihnachtstage und Silvester 2023 habe ich im Krankenhaus verbracht. Während draußen gefeiert wurde, lag ich da und versuchte zu verstehen, wie mein Leben sich innerhalb von Stunden so komplett verändern konnte und vor allem, wie es nun weitergehen sollte.
Die Ärztin sagte mir, es gäbe für Menschen in meinem Alter keinen Behandlungsplan dafür, keine Studien oder Statistiken. Wir mussten uns zusammen was überlegen und keiner wusste, ob es klappen würde.
Eine Woche später wurde ich operiert. Insgesamt lag ich vier Wochen im Krankenhaus. Heute lebe ich mit einem Schlauchmagen, ein Teil meiner Speiseröhre fehlt ebenfalls. Direkt nach der Operation bekam ich dann fünf Wochen Radiochemotherapie, da die Vermutung bestand, dass noch ein Rest an Krebszellen in meinem Körper sein könnte. Danach folgten weitere drei Monate Chemotherapie, zusammen mit einer Immuntherapie. Ab Juli 2024 erhielt ich dann nur noch Immuntherapie, insgesamt ein Jahr lang.
Mein ganzes Leben war mir von heute auf morgen weggebrochen. Ich musste mein Studium pausieren. Ich hatte meine eigene Wohnung gerade eingerichtet und angefangen, mich wohlzufühlen, habe gearbeitet und eigenes Geld verdient. Und plötzlich war ich wieder zurück in meinem Kinderzimmer. Zurück in ein Leben, von dem ich dachte, ich wäre längst darüber hinaus. Ab dem Zeitpunkt lebte ich wieder bei meinen Eltern und war auf jede Hilfe angewiesen. Ich war müde. Oft verzweifelt. Und manchmal einfach nur traurig darüber, dass ich so früh so viel verlieren musste.
Aber heute schreibe ich das aus einem anderen Grund. Meine Therapie ist seit Ende April 2025 abgeschlossen. Der Krebs ist weg. Und das jetzt seit etwa acht Monaten. Mir geht es wieder gut. Ich komme mit meinem Körper wieder besser klar. Kann wieder studieren. Ich nahm wieder zu, nachdem ich insgesamt etwa 15 Kilo verloren hatte, und kann wieder essen, vielleicht nicht ganz ›normal‹, aber gut genug. Ich lebe wieder. Schritt für Schritt. Und manchmal vergesse ich sogar, was ich alles durchgestanden habe.
Ich wollte meine Geschichte teilen, um Mut zu machen. Weil auch dann, wenn sich alles anfühlt, als würde es auseinanderfallen, kann alles wieder zusammenwachsen. Vielleicht aber anders als vorher. Es gibt Hoffnung und die sollte man niemals verlieren! Das ist mein Weg. Und vielleicht hilft er jemandem, der gerade ganz am Anfang steht.«
