
»Mein Name ist Martin Cunow, ich bin 47 Jahre alt und habe bereits vier Krebserkrankungen überstanden. Die erste traf mich, als ich gerade einmal 20 Jahre alt war: ein Rhabdomyosarkom im Brustkorb. Das ist ein schnell wachsender Tumor, der fast überall im Körper in Weichteilgewebe (wie Muskeln) entstehen kann
Ich war jung, voller Träume und mitten im Leben. Und plötzlich wurde alles anders. Die Diagnose hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Nach einer Operation und einer langen Chemotherapie begann der Kampf zurück ins Leben. Musik wurde mein Anker – ich stand wieder als DJ auf der Bühne, und die Musik gab mir Kraft, mich selbst nicht zu verlieren.
Doch 2005 kam der zweite Schlag: ein Non-Hodgkin-Lymphom. Mehrere Operationen in Heidelberg retteten meinen Fuß, danach folgte eine Chemotherapie in Karlsruhe. Körperlich und seelisch war es eine schwere Zeit, und ich musste mein geliebtes DJ-Leben nach sieben Jahren aufgeben.
Aber ich fand einen neuen Weg, mit allem umzugehen: das Schreiben. Es half mir, meine Gefühle zu sortieren und meinen Schmerz in etwas Positives zu verwandeln. 2012/13 wurde dann mein dritter Krebs diagnostiziert – ein T-Zell-Lymphom. Zuerst dachte man an einen Schlaganfall, doch die Wahrheit war eine andere. Wieder folgte eine intensive Chemotherapie und schließlich eine eigene Stammzelltransplantation. Diese Zeit war geprägt von Angst, aber auch von einem tiefen Glauben daran, dass es irgendwie weitergehen muss.
Nach dieser Erfahrung wollte ich etwas zurückgeben. 2016 gründete ich meinen Verein ›Und täglich grüßt das Murmeltier e.V.‹ um krebskranke, schwerst- und chronischkranke Kinder und Jugendliche zu unterstützen.
Diese Gründung war für mich ein Wendepunkt – sie hat mir geholfen, das Erlebte zu verarbeiten und zu verwandeln. Durch die Arbeit im Verein konnte ich meine Geschichte in etwas Sinnvolles verwandeln. Anstatt die Krankheit nur als Leid zu sehen, wurde sie zum Antrieb, anderen Mut zu machen.
Wenn ich heute sehe, wie Eltern, Kinder und Jugendliche durch unsere Hilfe wieder Hoffnung schöpfen, spüre ich, dass alles, was ich durchgemacht habe, einen tieferen Sinn hat. Es war, als hätte ich durch den Verein ein Stück Kontrolle und Lebensfreude zurückgewonnen – und damit auch ein Stück Heilung.
Doch leider war das Schicksal noch nicht fertig mit mir: Ein viertes Mal Krebs, wieder ein T-Zell-Lymphom – diesmal in der rechten Leiste. Nur eine allogene Stammzellspende (d.h. eine Stammzellenspende von einer gesunden Person) konnte mein Leben retten. Es war der härteste Abschnitt meines Weges, mit vielen Krankenhausaufenthalten, Nebenwirkungen und Ängsten. Aber ich habe mich wieder zurückgekämpft – Schritt für Schritt.
In dieser Zeit begann ich, meine Geschichte aufzuschreiben. Daraus entstand meine Autobiografie ›Überlebenskampf – Eine Reise durch das Leben mit Handicap & 4x Krebs‹. Das Schreiben war für mich Therapie – eine Möglichkeit, meine Vergangenheit anzunehmen und Kraft aus ihr zu schöpfen. Doch ich wollte auch etwas für Kinder schaffen: Geschichten, die Mut, Hoffnung und Fantasie verbinden. So entstand meine Kinderbuchreihe ›Magisches Murmeltier‹. Diese Bücher stehen symbolisch für meinen eigenen Weg – sie zeigen, dass Mut, Freundschaft und der Glaube an das Gute selbst in dunklen Zeiten leuchten können. Meine Erfahrungen mit dem Krebs haben auch ihren Weg in die Musik gefunden. Daraus ist der Song „Viermal Krebs und zurück“ entstanden – eine sehr persönliche musikalische Erzählung meiner Geschichte.
Heute bin ich dankbar: für das Leben, für meine Spenderin, für meine Familie, Freunde und alle, die mich begleitet haben.
Ich lebe mit Spätfolgen wie Polyneuropathie, aber ich lebe. Und ich erzähle meine Geschichte, um anderen Mut zu machen, niemals aufzugeben – egal, wie oft das Leben dich prüft.
Meine Botschaft: Auch wenn du denkst, es geht nicht mehr weiter – halte fest an der Hoffnung. Manchmal ist genau sie das, was dich rettet. Never give up.«
