
»Ich bin Christin, 33 Jahre alt, und dachte, 2024 wird eines meiner schönsten Jahre. Es war schön, aber zugleich auch die Hölle auf Erden.
Im Mai 2024, damals war ich noch 31 Jahre alt, machte ich nach vielen Jahren endlich einen positiven Schwangerschaftstest. Ich konnte es kaum glauben, dass es wirklich endlich soweit sein sollte. Bis zur Bestätigung beim Frauenarzt dauerte es aber noch ein paar Wochen. Als dieser Tag kam, war ich überglücklich.
Mein Mann und ich fuhren noch in den Urlaub. Dort bemerkte ich einen großen Knubbel an meiner rechten Brust, beziehungsweise im Bereich zwischen Brust und Achselhöhle. Ich dachte mir aber erst einmal nichts Großes dabei, weil ich zu dem Zeitpunkt etwas erkältet war und es sich vielleicht nur um einen geschwollenen Lymphknoten handeln könnte.
Nachdem ich dann bei meiner Hausärztin war, um dies abklären zu lassen, sagte sie, ich solle damit mal zum Frauenarzt gehen und das weiter untersuchen lassen. Gesagt, getan. Ich hatte einen Termin, ein Ultraschall wurde gemacht und vorsichtshalber eine Stanze, um zu schauen, was da los ist. Der Arzt sagte, es könnte durch die Schwangerschaft eine Ansammlung von Flüssigkeit sein, sähe aber eher nicht danach aus.
Eine Woche später, mittlerweile in der 17. Schwangerschaftswoche angekommen, bekam ich den Anruf, ich solle bitte vorbeikommen, um die Ergebnisse zu besprechen. Ich kam kurze Zeit später an und plötzlich hieß es: ›Es handelt sich um einen bösartigen und schnell wachsenden Knoten, der circa 30 bis 40 mm groß ist.‹ In diesem Moment brach meine Welt zusammen. So viele Fragen in meinem Kopf. Was wird mit dem Baby? Was kommt alles auf mich zu?
So wirklich kam es erst nach ein paar Wochen in meinem Kopf an, dass es sich um triple-negativen Brustkrebs handelte. Das konnte ich im ersten Moment überhaupt nicht wahrnehmen. Es folgte auf meinen Wunsch hin zuerst die Tumorentfernung. Danach hieß es, nach der Entbindung folgt die Chemotherapie. Okay, damit konnte ich leben.
Doch nachdem die Histologie des Tumors vorlag, hieß es plötzlich, dass mein Leben jetzt an erster Stelle steht und wir zeitnah mit der Chemotherapie beginnen müssen.
Die Ärzte mussten sich aber erst einmal schlau machen, was und wie möglich ist, da diese Kombination – schwanger und Brustkrebs – zum Glück eher selten ist, aber dennoch langsam häufiger vorkommt. Im ersten Moment dachte ich nur: Warum muss mein Leben jetzt im Mittelpunkt stehen und nicht das meines Babys? Doch mir wurde dann klar: Ohne mein Leben kein weiteres Leben.
Es folgten noch drei Operationen für die Portanlage. Bis zur Entbindung musste ich acht von sechzehn Chemotherapien bekommen. Dann kam im Dezember die Geburt unserer kleinen Maus. Leider war auch das alles andere als einfach.
Ich sollte zwei Wochen vorher zur Einleitung der Geburt kommen. Anderthalb Wochen lang waren alle Versuche erfolglos, sodass dann doch ein Kaiserschnitt notwendig wurde. Auch dieser war alles andere als leicht, da ich durch die Chemotherapie so empfindlich geworden war, dass ich selbst unter PDA Schmerzen durch das Drücken auf den Bauch empfunden habe. Aber egal. Hauptsache, die Kleine kam gesund und munter zur Welt.
Sie ist mittlerweile schon ein Jahr alt, gesund und entwickelt sich zeitgerecht.
Ein paar Wochen nach der Entbindung ging es dann mit den restlichen acht Chemotherapien weiter. Als ich diese endlich beendet hatte, war ich glücklich, dass zumindest ein weiterer großer Schritt abgeschlossen war. Nun sollte nur noch die Bestrahlung anstehen. Dafür sollte ich zuvor noch ein CT machen lassen, um eventuell vorhandene Fernmetastasen in Lunge oder Leber ausschließen zu können.
Drei Tage später sollten die Ergebnisse besprochen werden. Als mir der Arzt sagte, ich solle mich noch einmal freimachen für einen Ultraschall, war mir alles klar. Es wurde ein rezidiver Lymphknoten an der alten Tumorstelle gefunden – 17 mm groß. Im ersten Moment war meine Welt wieder am Boden zerstört. Gerade einmal acht Monate nach der ersten Diagnose.
Nach Ostern 2025 wurde ich erneut operiert. Nach einer kurzen Erholungsphase konnte endlich die geplante Bestrahlung stattfinden.
Und ich dachte, ich könnte jetzt endlich zur Ruhe kommen, mit meiner kleinen Familie, und langsam wieder einen ›normalen‹ Alltag aufbauen. Vielleicht bekomme ich jetzt noch fünf Jahre eine Tablettenchemotherapie und gut ist. Doch dem war leider nicht so.
Aufgrund der aggressiven Variante und des Rezidivs wurde in diesem Jahr entschieden, dass ich eine Kombination aus Chemotherapie und Immuntherapie erhalten soll. In dieser befinde ich mich aktuell. Doch auch hier läuft nicht alles wie geplant. Die Therapie musste aufgrund wiederkehrend schlechter Blutwerte unterbrochen werden. Zudem wurde bei einem CT ein noch unklarer Befund in der Lunge gefunden – wahrscheinlich Metastasen.
Nach einer Biopsie habe ich mittlerweile die Bestätigung bekommen, dass es sich um Metastasen handelt. Aktuell befinde ich mich in meiner 3. Chemotherapie
Was für mich von Anfang an feststand: offen mit der ganzen Sache umgehen und niemals aufgeben. Man ist nie allein in so einer Situation. Ich möchte anderen Mut machen, trotz aller Rückschläge niemals aufzugeben.«
