Jennifer

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Heute möchten wir euch Jennifer vorstellen. Sie erkrankte im Alter von 33 Jahren an Brustkrebs und musste in der Zeit der Therapie nicht nur für sich, sondern vor allem für ihren Sohn stark sein. Wie ihr das gelungen ist, schildert sie im folgenden Text:

»Ich erkrankte 2019, also mit 33 Jahren, an Brustkrebs, bei dem die Langzeitüberlebensrate leider bis heute nicht sehr hoch beziehungsweise die Prognose eher verhalten ist. Einige Tage vor meinem Geburtstag ertastete ich unter der Dusche eine erbsengroße Veränderung in der rechten Brust. Der Arzt versuchte zuerst mich zu beruhigen, dass es bei so jungen Frauen oft zyklusbedingte Veränderungen der Milchdrüsen sein könnten. Aber das war anders, daran erinnerte ich mich noch gut, als ich Milch für meinen Sohn hatte. Das hier war anders. Und das stellte sich schließlich in den Untersuchungen auch heraus. Ein 1,6 cm großes triple negatives Mamakarzinom, G3, hohe Teilungsrate.

Dann ging alles ganz schnell. Man implantierte mir unter örtlicher Betäubung einen Port. Ich musste ins CT, um auszuschließen, dass der Krebs bereits gestreut hatte. Denn dann hätte die Therapie wohl anders ausgesehen. Ich war ›sauber‹ und so ging es wöchentlich zur Chemotherapie. Nach der ersten Infusion dachte ich, sterben zu müssen. Es war, als hätte man einen grippalen Infekt und zwei Promille Alkohol im Blut. Alles tat weh, mir war furchtbar schwindlig und schlecht und gleichzeitig fand ich keine Ruhe. Ich verlor massiv an Gewicht und auch die Haare fielen aus. Ich fühlte mich so schwach. Der Körper, mit dem ich sonst an Wanderritten teilnahm oder Wanderungen mit meinem Hund bestritt, ließ mich plötzlich im Stich.

Eine weitere Herausforderung war es, als Krebspatientin auch Mama zu sein. Mein Sohn war zum Zeitpunkt der akuten Therapie zehn Jahre alt. Natürlich hatte er Angst, dass ich sterben würde. Ich fragte mich: ›Wie nehme ich ihm diese Angst?‹. Schließlich entschied ich mich, so offen wie möglich zu sein, ohne ihm unnötig Angst zu machen. Er wusste, was für eine Erkrankung ich hatte, nur den schlechten Remissionsgrad behielt ich für mich. Auch über die Mutation haben wir inzwischen, wo ich wieder gesund bin, gesprochen. Er weiß auch, dass er sich testen lassen kann, um an Früherkennungsmaßnahmen teilnehmen zu können, sollte er die Mutation geerbt haben.

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Nach 16 Chemotherapien und einigen Komplikationen, unter anderem einem schweren anaphylaktischen Schock (Anm. der Redaktion: schwerste Form einer allergischen Reaktion), habe ich es irgendwie geschafft und die Mastektomie stand bevor. Ich wünschte mir einen sofortigen Aufbau der Brust. Als ich nach der Operation zu mir kam, hatte ich fürchterliche Schmerzen. Aber immerhin war nun der Tumor weg. Die Heilung dauerte sehr lange und leider hatte sich der Tumor durch die Chemo nur wenig beeindrucken lassen. Nach einer Besprechung des Tumorboards erklärte man mir, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sei, dass der Krebs bald zurück kommt. Trotz allem, was ich durch gemacht hatte.

Es stellte sich heraus, dass ich durch eine Mutation im BRCA1 Gens erkrankt war. Deshalb ließ ich mir auch die Eierstöcke samt Eileiter entfernen. Ich hatte sonst ein hohes Risiko, dass sich auch hier Krebszellen bilden. So wurde ich mit 34 in die Wechseljahre katapultiert und hatte ständig Angst, irgendwo Metastasen zu bekommen. Ich versuchte mich abzulenken, indem ich viel mit Pferd und Hund in die Natur ging. Ich unternahm auch Ausflüge mit meinem Sohn im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten. Wenn man so jung an Krebs erkrankt, ist das finanziell häufig ein großes Problem. So was das leider auch bei mir. Ich musste mein eigenes Pferd verkaufen und ohne die Hilfe meines Partners, ob nun mental oder finanziell, hätte ich das alles wohl nicht geschafft.

Diesen Mai ist die Diagnose fünf Jahre her. Hätte ich nicht noch meinen Port und Silikon in den Brüsten, würde ich manchmal nicht bemerken, dass ich dem Tod mal so nah war. Ich arbeite wieder, kann wieder reiten und fahre seit der Erkrankung noch Quad. Auch wenn sie noch da ist, wird die Angst mit der Zeit immer weniger. Mit einem Fernstudium machte ich mich 2021 sogar selbständig. Das soll anderen Mut machen. Oft hat man während oder direkt nach der Therapie durch das sogenannte ›Chemobrain‹ das Gefühl, keine Leistung mehr erbringen zu können. Man muss in sich vertrauen und dem Körper etwas Zeit geben. Auch wenn man zunächst denkt, es nicht schaffen zu können, kommt die Stärke doch irgendwann zurück.«

Eine Frau mit kurzen, braunen Haare sitz in der Natur auf einer Bank neben einem Hund. Beide schauen in die Kamera.
Name
Jennifer
Instagram
@jenschnu
Website
Interviewt von
Erzählt am
26.2.2024
Verstorben am

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