
Da ist oft viel mehr als Mitgefühl: Pflichtbewusstsein, Überforderung, Angst, Wut, Trauer – vielleicht auch Schuldgefühle. Manchmal tauchen auch Gedanken oder Gefühle auf, die dich selbst erschrecken: der Wunsch, einfach mal wegzulaufen. Genervtsein. Sehnsucht nach einem normalen Tag. Oder der Gedanke: »Ich kann gerade nicht mehr.« Solche Gefühle machen dich nicht egoistisch oder lieblos. Sie sind menschlich.
Gefühle sind keine Entscheidung. Sie passieren einfach. Und sie sagen nichts darüber aus, ob du ein guter oder schlechter Mensch bist. Denn du bist nicht nur Begleiter:in und Unterstützer:in, sondern selbst auch Betroffene:r.
Beides gleichzeitig zu sein, kann sich widersprüchlich anfühlen und manchmal denkt man, man müsste sich entscheiden: zwischen Fürsorge für den anderen und Fürsorge für sich selbst. Doch Gefühle und Bedürfnisse schließen sich nicht gegenseitig aus.
👉🏻 Du kannst kannst viel geben – und musst nicht alles alleine tragen.
👉🏻 Du kannst liebevoll und präsent für andere da sein – und selbst achtsam mit dir umgehen.
👉🏻 Du kannst stark sein – und gleichzeitig Angst und Trauer fühlen.
Beides darf und sollte nebeneinander existieren.
Viele Angehörige funktionieren einfach. Sie kümmern sich, halten durch, stellen sich hinten an. Ihr Fokus liegt auf der erkrankten Person und die eigenen Bedürfnisse rutschen leise in den Hintergrund. So merken sie oft gar nicht, dass sie selbst eigentlich auch Unterstützung brauchen.
Empirische Studien zeigen: Partner:innen von Krebspatienten leiden psychisch genauso wie die erkrankte Person selbst. Es ist also wichtig, dich selbst nicht zu vergessen.
Manchmal zeigt dir dein Körper früher als dein Kopf, dass es zu viel wird. Du bist schnell gereizt – auch bei Kleinigkeiten. Du hast dauerhafte Müdigkeit, egal wie viel du schläfst. Du ziehst dich von Freund:innen und Familie zurück. Du hast das Gefühl, innerlich leer zu sein. Du funktionierst nur noch, statt wirklich präsent zu sein.
Das sind keine Schwächen - das sind Signale.
Viele denken: »Ich darf erst an mich denken, wenn es der anderen Person besser geht.« Das Problem? Dieser Moment kommt oft nicht so schnell. Doch gerade in Zeiten, wo es der erkrankten Person sehr schlecht geht, fühlt sich Selbstfürsorge oft wie der blanke Egoismus an.
Diese Perspektive kann für dich hilfreich sein:
👉🏻 Selbstfürsorge bedeutet nicht, weniger für die erkrankte Person da zu sein.
👉🏻 Sie sorgt dafür, dass du überhaupt da sein kannst. Um genug Energie und mentale Stärke zu haben, braucht es Erholungszeiten und Selbstfürsorge.
👉🏻 Wenn du dich komplett aufopferst, bleibt irgendwann nichts mehr übrig, was du geben kannst.
💬 Ein Satz, den du dir merken darfst: »Ich kann für andere da sein – und darf gleichzeitig für mich sorgen.«
Kein Entweder-oder, kein schlechtes Gewissen. Sondern beides, gleichzeitig.
Ja, wirklich. Du darfst lachen. Du darfst rausgehen. Du darfst schöne Momente genießen, auch allein. Ohne dich schuldig zu fühlen.
Freude ist kein Verrat. Sie ist ein Gegengewicht. Und manchmal genau das, was dich stabil hält – nicht nur für dich selbst, sondern auch für die Person, um die du dich kümmerst.




Stiftung Deutsche Krebshilfe. Hilfe für Angehörige von Krebspatienten (02.2020). Unter: https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/mit-krebs-leben/hilfe-fuer-angehoerige-von-krebspatienten/ (aufgerufen am 21.04.2026)
Stiftung Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber: Hilfen für Angehörige (2020). Unter: https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Hilfen-fuer-Angehoerige_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (aufgerufen am 21.04.2026)
Krebsinformationsdienst. Krebs und Psyche (04.04.2023). Unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/krebs-und-psyche/ (aufgerufen am 21.04.2026)