
Stuhlinkontinenz bedeutet nicht automatisch einen vollständigen Kontrollverlust über den Darm. Die Beschwerden können ganz unterschiedlich aussehen. Manche Menschen verlieren kleine Mengen Stuhl oder Schleim, schmieren sozusagen immer wieder nach. Andere haben Schwierigkeiten, Winde sicher zu halten. Manche kämpfen vor allem mit plötzlich starkem Stuhldrang, häufigen Toilettengängen und der Angst, es nicht rechtzeitig zur Toilette zu schaffen. Gerade bei dünnflüssigem Stuhl oder Durchfällen wird das Halten oft deutlich schwieriger. Viele Betroffene sprechen darüber nicht. Denken, Sie seien damit alleine. Schämen sich. Dabei gibt es viele ganz unterschiedliche Gründe für eine Stuhlinkontinenz und sie kann uns alle treffen.
Krebs ist dabei nicht gleich Krebs. Gerade bei Tumoren im Bereich von Mastdarm oder After ist das sogenannte Kontinenzorgan oft direkt betroffen – also die Strukturen, die Stuhl und Winde kontrollieren: Mastdarm, Analkanal, Schließmuskeln, Beckenboden, Nerven und die Schleimhaut. Der Tumor selbst kann hier bereits Beschwerden verursachen.
Gleichzeitig können Operationen oder Bestrahlungen in diesem Bereich die Kontinenz beeinflussen. So können sich die Speicherfunktion des Mastdarms, das Gefühl für Stuhl im Enddarm, die Schließmuskelkraft oder die Koordination der Entleerung verändern. Doch auch bei anderen Krebserkrankungen können Kontinenzprobleme auftreten – häufig eher indirekt. Zum Beispiel durch starke Durchfälle während einer Chemotherapie oder wenn der Enddarm im Bestrahlungsfeld lag.
Reizungen der Haut um den Anus, Schleimhautreizungen, Vernarbungen, Nervenschädigungen oder Veränderungen der Darmfunktion sind hier oft wesentlich mitverantwortlich für die Entwicklung einer Stuhlinkontinenz. Auch Medikamente, Operationen im Bauchraum oder die allgemeine körperliche Belastung einer Krebstherapie können – zusätzlich zu Stress – Verdauung, Stuhlkonsistenz und Stuhlverhalten verändern. Und niemand kann dünnen Stuhl wirklich gut halten – egal, wie gut das Kontinenzorgan arbeitet.
Viele Menschen verbinden Stuhlinkontinenz vor allem mit hohem Alter. Doch gerade nach Krebsbehandlungen können auch jüngere Menschen betroffen sein.
In dieser Lebensphase können besondere Herausforderungen und Bedürfnisse im Vordergrund stehen. Familienleben mit kleinen Kindern, Themen wie Dating, Sexualität, Partnerschaft, Sport oder mitten im Berufsleben zu stehen, spielen gerade bei jüngeren Betroffenen häufig eine große Rolle. All das wird im medizinischen Alltag allerdings kaum angesprochen. Dazu kommen geschlechtsspezifische Unterschiede.
Frauen bringen zum Beispiel häufiger zusätzliche Belastungen des Beckenbodens durch die anatomischen Gegebenheiten, Schwangerschaften oder Geburten mit. Nach gynäkologischen Tumoren oder Bestrahlungen im Beckenbereich können mehrere Strukturen gleichzeitig betroffen sein. Bei Männern können Operationen oder Bestrahlungen im Bereich der Prostata oder des Beckens Auswirkungen auf Beckenboden, Nerven und Kontinenz haben.



