
Noch zwei Wochen bis zum nächsten CT. Ein Blick in den Kalender für eine Erinnerung an diesen Termin ist nicht nötig. Das erledigt schon die Enge, die sich schon länger in der Brust ausweitet und die sich kaum in Worte fassen lässt. Fragen gehen über in Grübeln und das Grübeln geht über in Anspannung und Angst. Wie war der letzte Wert nochmal? Was ist, wenn diesmal was anders aussieht? Spätestens im Wartezimmer sind Körper und Psyche im Ausnahmezustand. Für all das gibt es mittlerweile einen Namen: »Scanxiety«. Das ist ein Kofferwort aus »Scan« und »Anxiety« und beschreibt genau diese Angst rund um bildgebende Untersuchungen wie CT’s oder MRT’s. Sie dauert so lange an, bis die Ärzte endlich Entwarnung geben. Und das kann manchmal dauern.
Die gute Nachricht: Du bist damit nicht allein, auch wenn sie dir niemand abnehmen kann. Aber du bist nicht ganz machtlos. Diese Zeiten sind ungeheuer kräftezehrend, aber es gibt ein paar Dinge, die du tun kannst.
Der Begriff ist kein offizieller medizinischer Fachterminus. Trotzdem hat er sich in der Psychoonkologie längst durchgesetzt, weil so viele Betroffene dasselbe beschreiben. Eine einzige Untersuchung und das Leben geht weiter wie geplant. Oder eben nicht. Im deutschsprachigen Raum spricht man fachlich meist von Progredienzangst, also der Sorge vor einem Fortschreiten oder Wiederauftreten der Erkrankung. Laut der S3-Leitlinie Psychoonkologie zählt sie zu den häufigsten psychischen Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung. Auch dann, wenn medizinisch alles gut läuft.
Dabei ist nicht der Scan selbst nicht immer das Schlimmste, sondern die Tage davor und danach. Wenn der Kopf irgendwann völlig frei dreht und beginnt, sämtliche Katastrophenszenarios in Dauerschleife durchlaufen zu lassen. Ein Leben in einer unerträglichen Dissonanz, die Zeit besteht aus Warten auf den Anruf aus der Klinik, während daneben alles ganz normal weiterläuft. Genau diese Wartephase gilt als einer der stärksten Auslöser für die Anspannung.
Wegzaubern lässt sich Scanxiety leider nicht. Aber vielleicht etwas leichter tragen. Was helfen kann:
Übrigens, du kannst auch das Personal am Empfang fragen, ob es einen Bereich gibt, in dem es etwas ruhiger ist, falls es dir schwer fällt, mit anderen Menschen im Raum zu sein. Und manchmal kann es auch einfach helfen, die Anspannung kurz mit jemandem zu teilen, um sich nicht ganz allein damit zu zu fühlen. Positiver Nebeneffekt: Nicht selten hat man dort dann ein ganz anderes Auge auf dich.
Aber lasst uns ehrlich sein: Meistens bleibt die Angst aber doch größer und lässt sich nicht mit Atemübungen oder Ablenkung kleiner machen. Und das ist in Ordnung und auch ganz normal. Denn es hängt eben auch viel von den Nachuntersuchungen ab. Was hier vielleicht helfen kann, ist, sie einmal auszusprechen. Sie damit ans Licht zu holen, statt sie allein mit sich herumzutragen und sie immer und immer wieder im Kopf zu wälzen, bis sie noch überwältigender wird, als sie es ohnehin schon ist. Du kannst sie mit Menschen zu teilen, die dir nahestehen. Vielleicht fehlen anfangs die Worte. Deshalb reicht oft ein einfaches »Ich hab gerade richtig Angst«. Die Angst ist dann zwar immer noch da, aber sie wurde ausgesprochen und eine andere Person kann dir vielleicht ein wenig Trost spenden, der dir zeigt, dass du nicht allein bist.
Aber auch gerade der Austausch mit anderen Betroffenen hilft enorm. Denn weil dort jeder weiß, wie sich diese Situation anfühlt, muss nicht viel erklärt werden. Dort findest du eine Gemeinschaft, die dich gerade dann trägt und das ganz ohne viele Worte. Hält die Angst über längere Zeit an, kann auch der Weg zu psychoontologischer Unterstützung einiges an Werkzeug für diese Phasen geben.
Scanxiety ist keine Schwäche und kein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Das Verstehen, woher die Angst kommt, macht sie zwar nicht kleiner, aber zu wissen, dass so viele andere genau das Gleiche durchmachen, macht ganz sicher ein Stück weniger einsam.




Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatient*innen, Kurzversion 2.1, August 2023: https://register.awmf.org/assets/guidelines/032-051OLk_S3_Psychoonkologische-Diagnostik-Beratung-Behandlung-von-erwachsenen-KrebspatientInnen_2023-09.pdf
ZDFheute: Krebs überstanden, aber die Angst bleibt? Warum die Psyche nach der Therapie oft Hilfe braucht, von Juliane Kussmann, 02.07.2026: https://www.zdfheute.de/ratgeber/gesundheit/krebs-erkrankung-nachsorge-therapie-folgen-100.html
Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum: Informationsblatt "Psychoonkologische Hilfen: Anlaufstellen für Krebsbetroffene", Stand 15.01.2026: https://www.krebsinformationsdienst.de/fileadmin/pdf-dateien/informationsblaetter/iblatt-psychoonkologie.pdf