Wenn Stille zum Halt wird

Lebensgeister: Wenn Stille zum Halt wird
Lebensgeister
In der heutigen Geschichte von Anna geht es um ihren Weg durch eine schwere Zeit – und um das, was ihr Kraft, Halt und Zuversicht geschenkt hat, als vieles ins Wanken geriet:

»Ich machte 2024 eine Yogaausbildung. Nicht, um zu unterrichten, nicht, um etwas Neues aus mir zu machen – einfach nur für mich. Ich wollte verstehen, was Stille ist, was Atmen bedeutet, wenn man nicht nur Luft, sondern sich selbst einatmet. Zwei Wochen nach meiner Abschlussprüfung bekam ich die Diagnose Brustkrebs.

Manchmal, glaube ich, bereitet das Leben uns auf Dinge vor, von denen wir nichts wissen sollen, bevor sie eintreten.

Ich hatte eine weitere Fortbildung auf Mallorca gebucht – somatisches Yoga, im März 2025. Ich sagte sie schweren Herzens ab, während mein Körper sich auf die bevorstehende Therapie vorbereitete. Doch dann kam ein kleines Wunder: Dieselbe Ausbildung wurde kurz darauf in Deutschland angeboten. Ich buchte um. Es war, als hätte mir das Universum einen Lichtstrahl in den dunklen Korridor gelegt, durch den ich gehen musste.

In dieser Zeit wurde Yoga mein sicherer Boden.

Ich ging weiter in mein Studio, unter Menschen, die mich ein Jahr lang durch die Ausbildung getragen hatten. Dort durfte ich einfach ich sein – ohne Masken, ohne Mitleid, ohne Rollen. Zwischen Atemzügen und stillen Momenten fand ich mich selbst wieder, auch wenn ich mich körperlich veränderte.

Durch die Ausbildung hatte ich gelernt, meinem Körper zuzuhören. Ich wusste nun, wann mein Nervensystem überreizt war, wann ich mich zurückziehen musste. Ich verstand, dass Stille keine Leere bedeutet, sondern einen Raum, in dem Heilung möglich ist.

Ich meditierte, atmete, blieb bei mir. Yoga wurde mein Anker, mein Fixpunkt, mein Halt inmitten des Sturms, der alles mitzureißen drohte.

Die somatische Ausbildung gab mir neue Impulse – zeigte mir, zu was ich fähig war, trotz Chemo. Jeder Atemzug wurde zu einem kleinen Sieg. Jeder Moment auf der Matte ein Bekenntnis zu mir selbst.

Als die Therapie ihrem Ende zuging, stellte sich die Frage: Reha ja oder nein?

Ich wusste sofort – das bin nicht ich. Ich fühlte mich nicht bereit für eine Reha, für Programme, für Strukturen, die sich nicht nach meinem Rhythmus anfühlten.

Ich wollte atmen. Fühlen. Leben.

Also entschied ich mich für ein Yoga-Retreat in Portugal. Der Titel: ›wild is she‹.

Sechs Tage, siebzehn Frauen, Sonne, Meer, und eine Weite, die sich auch in mir ausbreitete. Wir praktizierten Yoga, meditierten, zeichneten, tanzten, atmeten. Zwischen Klangreisen, Journal Sessions und intuitivem Malen entstand ein Raum, in dem alles sein durfte – Lachen, Weinen, Schweigen.

Ich war die einzige mit einer Krebsdiagnose, aber nicht die einzige mit einem schweren Päckchen. Wir alle trugen etwas – und wir trugen einander.

Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ich einfach atmen. Ohne Angst, ohne Plan. Nur im Jetzt.

Yoga hat mich gehalten, als nichts anderes es konnte. Es hat mich gelehrt, dass Heilung kein Ziel ist, sondern ein Rhythmus – ein sanftes Kommen und Gehen, wie der Atem selbst.«

Pathly LogoPlatzhalter Bild
Marie trägt einen Zopf und eine weiße Bluse.Platzhalter Bild
Autor:in
Helfer:in
Designer:in
Marie Warskulat
Datum
28.1.2026

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Illustration eines rosa Sparschweinchens

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